10. February 2012   • Impressum   • Kontakt

Welches Gerät für Audioaufnahmen?

Hier auf dem WebLog finden sich jetzt schon einige Audioaufnahmen (oder auch Podcasts). Für die Aufnahme verwende ich einen Zoom H2 (gibt es unter Anderem bei Thomann). Für den H2 ist eine Ivestition von 195,– Euro erforderlich.

Für den, der nicht so viel ausgeben will, lohnt sich vielleicht ein Blick auf den Swissonic MDR-2 (ebenfalls bei Thomann).

Der Swissonic kostet ca. ein Drittel des H2 (genau 79,00 Euro). Kommt er an Handling und Qualität an den H2 heran?

Peter Reimer, Finanzdienstleister und Musiker, hat sich dieser Frage angenommen und einen Testbericht zum Swissonic verfasst. Diesen hat er mir für meine Leser zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür.

Hier ist sein Bericht:

“Die Podcast-Branche fängt gerade an zu boomen und die Hersteller stellen sich darauf ein: die ersten All-In-One-Mobilerecorder sind auf dem Markt in unterschiedlichen Preisklassen. Wir wollen uns in erster Linie mit dem Einstieg beschäftigen und der soll ja leicht sein. Werfen wir einen Blick auf den Swisssonic MDR-2

Der Swissonic besticht durch seine schlichte Oberfläche mit wenigen Tasten – hoffentlich doch keine 100 Untermenüs wie bei den Synthesizern der 80er Jahre? Nein, keine Angst, es geht nicht so in die Tiefe. Auch das Handbuch hat gerade einmal 15 Seiten, lag bei Redaktionsschluss leider nur in englischer Sprache vor.

Aufgenommen wird auf einen internen Speicher, eine SD Card ist möglich, maximal 4 GB können verwaltet werden. Das reicht auch für längere Talkrunden oder für ein für ein mp3-Bootleg vom nächsten Bruce Springsteen-Konzert – uuuups, hab ich was gesagt?  ;-)

99 Tracks sind möglich unterteilt in 9 Gruppen, es kann mit den internen Mikros aufgenommen werden, es werden aber auch zwei externe Klemmmikros mitgeliefert. Zusätzlich angeschlossen werden kann auch z.B. eine E-Gitarre, doch das soll uns Podcaster nur am Rande interessieren.

Dementsprechend geht es auf der linken Seite des Gerätes weiter: hier finden wir 3 Eingangswahlmöglichkeiten M= Mikrofon, G= Gitarre, L= Linesignal wie z.B. CD-Player. Podcaster stellen auf M für Mikrofon. Der Mikrofon- oder Aufnahmelevel ist in 3 Stufen vorregelbar: OFF, L= Low und H=High. Mit der Low-Einstellung kommt man bei der Nahbesprechung gut zurecht, liegt der Swissonic auf dem Tisch für zwei Interviewpartner, darf es ruhig die High-Einstellung sein. Zur Feineinstellung finden wir an der Stirnseite 2 Drehregler, für jeden Kanal Links und Rechts je einen.

Die Holdtaste ist für eine Daueraufnahme gedacht – versteh ich zwar nicht, da man mit „Rec“ auch eine Endlosaufnahme starten kann, aber nun gut.

Zu guter Letzt ein Kopfhörereingang mit Miniklinke („Walkman-Eingang“) Dieser ist sinnvoll, da wir erstens vor der Aufnahme hören können, wie es klingt, ob wir den Aufnahmepegel noch etwas erhöhen oder senken müssen und zum Anderen können wir unterwegs gleich hören, ob auch alles so aufgenommen ist, wie wir uns das gedacht haben.

Auf der rechten Seite befinden sich drei: ein Line Out um Audiosignale des Swissonic an einen externen Verstärker senden zu können, ein SD-Kartenslot und der USB-Anschluss. Eine SD-Karte gleich im Bundle mit bestellen. Der USB-Anschluss dient einmal zum Datentransfer zwischen Gerät und Rechner und auch zur externen Stromversorgung (diese bitte auch gleich mit bestellen, da Recording mit Batterien irgendwann dazu führen wird, das Ihre Chance des Lebens, einmal Bruce Springsteen zu interviewen, durch genau in diesem Moment leer werdende Batterien vereitelt wird).

Hier ein kleiner Trick, der nicht im Handbuch steht: für den Netzbetrieb den Adapter anschließen, das Gerät mit einem 2-Sekunden Druck auf „Play/Pause“ starten. Es erscheint USB. Noch einmal „Mode/Stop“ drücken – dann erst erscheint der Startbildschirm. Ich habe einige Zeit gesucht, um das Herauszufinden und möchte es Ihnen natürlich ersparen.

Das Aufnehmen selbst ist wirklich kinderleicht: Gerät wie eben beschrieben einschalten und wie oben beschrieben einstellen, „Rec“ drücken – die Aufnahme läuft, „Mode/Stop“ – die Aufnahme wird beendet. Zwischenstopps sind auch möglich mit „Start/Pause“.

Nun wollen wir etwas hören: entweder via Kopfhörer oder wir schließen das Teil an unseren Rechner via mitgeliefertem USB-Kabel an.  XP und Vista erkennen sofort ein neues USB Gerät auf dem Schirm, mit SD-Karte werden 2 USB-Geräte erkannt. Es werden pro Datenträger 2 Folder angeboten und in jedem Folder 9 Gruppenordner. Das Gerät nimmt IMMER in Folder 1 auf. Wer nicht gerade am Tag das Teil unterwegs 100 Mal vollquatscht wie ein Profilneurotiker, braucht sich um die Dateienstruktur keine Sorgen zu machen. Da man meist mit wenigen Dateien auskommt, ist es eh egal und man holt sich die Dateien auf den Rechner, um sie dort weiter zu verarbeiten.

Der Swissonic kennt folgende Formate: WAV in 16 bit von 8 – 44,1 KHz sowie mp3 mit 128 Kbps mit einer Samplerate von 44,1 KHz – praktisch bedeutet das dreierlei:

1.       Wer mit einer guten Sprachqualität trotzdem immens viel Speicherplatz zur Verfügung haben möchte, kann gleich im mp3 –Format umwandeln. Eine Minute braucht dann rund 1 MB Speicher, die Datei kann dann in diesem Format direkt auf die Homepage – schicke Sache.

2.       Wer es in der besten Qualität aufnehmen möchte, der verwendet das CD-Format: 16 bit und 44,1 KHz im WAV-Format – eine Minute verbraucht dann etwa 11 MB Speicher.

3.       Dazwischen gibt es verschiedene Abstufungen, im WAV-Format mit geringeren Abtastraten zu arbeiten. Man hat dann zwar weniger Speicherbedarf, aber braucht auf der anderen Seite auch ein Programm, das dann diese Formate importieren und weiterverarbeiten kann. Von daher empfehle ich nur die Varianten 1. und 2.

Die Aufnahmequalität ist für den Preis völlig ok, für Sprache über jeden Zweifel erhaben. Natürlich nicht wie mit einem Neumann-Mikro für 1.800 €, aber das ist ja wohl auch jedem klar. Die Bedienung ist wirklich kinderleicht, da es kein „Deep-Editing“ und Gewurschtel durch zig Menüs gibt. Die wichtigsten Funktionen sind ohne Umwege direkt auf der Bedieneroberfläche erreichbar.

Wermutstropfen ist die Extraanschaffung des Netzteils – diese Erfahrung können Sie sich aber sparen, da Sie sich natürlich gleich eins mit bestellen. Das Ganze kommt im Plastikgehäuse daher, die Knöpfe auf der linken Seite sind echt wackelig und die Drehregler auf der Stirnseite sehnen sich gerade danach, durch einen kleinen Sturz abgebrochen zu werden.  Das MDR -2  ist für solch harte Roadeinsätze nicht gedacht – also immer schön vorsichtig mit dem Teil.

Für  das schicke Bundle aus Swissonic MDR-2, SD Card 2 GB, einem halb offenenT.Bone Stereokopfhörer, dem Swissonic USB DC Adapter und einer Tasche mit Stativadapter zahlt man derzeit bei Thomann schlappe  111 €. Da kann keiner meckern.”

Peter Reimer